Welche Alternativen zur Rettungsschirmpolitik gibt es?

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Sollte Deutschland aus dem Euro austreten?

Welche Alternative gibt es zur Rettungsschirmpolitik?

Alternativ könnte man eine geordnete Staatsinsolvenz herbeiführen. "Geordnet" bedeutet, dass man Vorsichtsmaßnahmen trifft, um einen Zusammenbruch des Bankensystems zu verhindern.

Führt ein Staatsbankrott zu einer großen Bankenkrise?

Nach derzeitigem Stand, ja. Manche europäischen Banken würden einen großen Teil ihres Eigenkapitals verlieren. Aber es hängt entscheidend davon ab, wieviel Eigenkapital die Banken haben. Die solventen EU-Staaten können eine europäische Bankenkrise vermeiden, indem sie das Bankensystem rechtzeitig rekapitalisieren.

Soll man Banken retten, wenn sie zusammenzubrechen drohen?

Unbedingt. Ein funktionierendes Finanzsystem ist lebenswichtig für eine Volkswirtschaft. Alles andere führt in eine wirtschaftliche Katastrophe. Aber natürlich sollen nur die Banken gerettet werden, die "systemrelevant" sind, d. h. deren Zusammenbruch die Stabilität des gesamten Finanzsystems bedrohen würde.

Warum ist eine Bankenrettung vorteilhafter als ein Rettungsschirm?

Ein Rettungsschirm ist ebenfalls eine Bankenrettung, nur indirekt. Über einen Rettungsschirm werden alle Staatsschulden geschützt. Eine Bankenrettung bezieht sich nur auf die ca. 20% der Staatsschulden, die im Besitz von Banken sind. Eine Bankenrettung ist u. a. deshalb viel günstiger.

Wird den Banken bei ihrer Rettung Geld geschenkt?

Nein. Die Rettung von Banken bedeutet nicht die Rettung ihrer Eigentümer. Die Eigentümer tragen vielmehr alle entstandenen Verluste, bis ihr Eigenkapital vollständig verzehrt ist.  Von der Rettung sollen nicht die Eigentümer sondern die Gläubiger der Bank profitieren, darunter insbesondere die Kleineinleger. Allerdings erhalten auch die Gläubiger kein Geld geschenkt. Sie bekommen lediglich die Guthaben auf ihren Konten verlässlich ausgezahlt.

Wie kann der Staat die Gläubiger einer Bank schützen?

Um die Gläubiger zu schützen, kauft der Staat junge Aktien der Bank, solange sich keine anderen Eigenkapitalgeber finden. Die gesetzlichen Grundlagen dafür bestehen in Deutschland bereits. Der Staat verschenkt also kein Geld, sondern er verstaatlicht die Bank teilweise, indem er Miteigentümer wird. Nach der Krise kann der Staat seine Aktien wieder verkaufen, u. U. sogar mit Gewinn.

Wie schlimm ist ein geordneter Staatsbankrott für das betroffene Land?

Immer noch ziemlich schlimm. Wer Staatspapiere hält, erleidet schwere Verluste. Das kann zum Zusammenbruch von Unternehmen führen, selbst wenn die Banken gerettet werden. Versicherungen können ihre Rücklagen verlieren, Menschen ihre Altersversorgung. Wenn das Ganze nicht so schlimm wäre, würden viele Staaten ihre Schulden nicht zurückzahlen, denn zwingen kann man sie kaum. Und wenn Staaten ihre Schulden nicht zurückzahlen würden, fände sich von vornherein niemand, der ihnen Geld leiht. 

Könnte die EU einem betroffenen Land nach dem Bankrott helfen?

Natürlich. Das ist sogar sinnvoller als vor dem Bankrott zu helfen. Mit Krediten vor dem Bankrott hilft man vor allem den Banken, die die Staatsanleihen halten. Der Staat hat wenig davon, denn er krebst immer noch am Rande des Zusammenbruchs. Und die Hilfsgelder gehen verloren, wenn der Staat dann doch bankrott geht. Mit Hilfe nach dem Bankrott hilft man wirklich dem Staat - und vor allem den Menschen, die unter dem Bankrott leiden.

Welche Erfahrungen hat man mit Staatsinsolvenzen?

Es hat historisch sehr viele Staatsbankrotte gegeben, davon etliche in den letzten 30 Jahren. Meistens waren Entwicklungsländer, Schwellenländer und Länder des früheren Ostblocks betroffen. Typischerweise führt der Staatsbankrott zu einer schweren wirtschaftlichen Krise mit einer erheblichen Schrumpfung des BIPs. Danach geht es oft schnell wieder aufwärts und es dauert in der Regel nur wenige Jahre, bis das Land auch wieder Kredit erhält.